Vite Nickys Kinder

Vera Gissing – Die Buchautorin

Im Juni 1939, kurz nach ihrem 11.Geburtstag, floh Vera Gissing mit Hilfe von Nicholas Winton’s Kindertransport aus der besetzten Tschechoslowakei. Auf einen Schlag musste sie ihre Eltern, ihre Familie und ihre Freunde verlassen. Während ihres sechsjährigen Aufenthalts in England führte Vera ein Tagebuch, in dem sie ihre alltäglichen Erfahrungen, ihrer Sehnsucht nach ihren Eltern und ihren Hoffnungen und Gebete, eines Tages frei wieder in ihre Heimat zurückzukehren, verarbeitete. Als sie nach Prag zurückkehrte, um ein neues Zuhause mit ihrer Tante aufzubauen, erfuhr sie, dass ihre Eltern beide ermordet wurden – ihre Mutter in Belsen und ihr Vater auf dem Todesmarsch.

1949 kehrte sie zurück nach England, wo sie seitdem lebt. Bei einem Wiedersehen ihrer ehemaligen Tschechischen Schule in Wales kamen ihre intensiven Erinnerungen und Gefühle wieder hoch, so dass Vera sich entschloss ihre Tagebücher aufzumachen und gemeinsam mit den Briefen ihrer Eltern, die sie seit über 40 Jahre nicht berührt hatte, ein Buch über ihr persönliches Schicksal zu schreiben. Die Autobiographie Pearls Of Childhood, zum ersten Mal 1988 erschienen und 13 mal neu aufgelegt, feierte große Erfolge und führte darüber hinaus zu einer unglaublichen Bereicherung in Veras Leben.

Seit Jahren hatte Vera nämlich nach den Menschen gesucht, die sie damals aus Prag gerettet hatten. Sie wand sich sogar an den Erzbischof von Canterbury, aber ohne Erfolg. Und dann plötzlich, kurz nach der Veröffentlichung ihres Buches, wurde sie zu einer bekannten BBC Show eingeladen, wo sie zum ersten Mal den Mann traf, dem sie ihr Leben zu verdanken hatte. In der BBC Show war sie die erste, die Nicholas Winton vorgestellt wurde. Dieser Moment war der wichtigste und emotionalste ihres ganzen Lebens.

Heute lebt Vera Gissing in Wargrave, in der Nähe von Nichols Winton’s Zuhause, wo sie ihn in regelmäßigen Abständen besucht und sich um ihn kümmert. Sie ist erfolgreiche Autorin vieler Kinderbücher – eins davon mit dem Titel Nicholas Winton and the Rescued Generation.

Alice Masters und Josephine Knight – Die Schwestern

Die letzte Verabschiedung am Prager Bahnhof zwischen den kleinen Mädchen Alice und Josephine und ihrer Mutter diente dem Regisseur Minac als Inspiration für eine seiner bewegendsten Szenen, in der die verzweifelte Mutter von der bekannten tschechischen Schauspielerin Klára Issova verkörpert wird. Die Töchter konnten mit ihren Eltern in Trstena in der Tschechoslowakei eine glückliche und unbeschwerte Kindheit verleben. Als die dramatischen Folgen der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten immer stärker spürbar wurden, brachte die Mutter die beiden Mädchen nach Prag, von wo aus sie am 29. Juni 1939 mit Nicholas Winton’s Kindertransport das Land verlassen mussten. In den folgenden Jahren lebten die Mädchen in verschiedenen Waisenhäusern in Sussex und London. Josephine blieb in England und wurde dort Modedesignerin. Ihre Schwester Alice wanderte in die USA aus und arbeitete den größten Teil ihres Lebens als Verwaltungsbeamtin beim internationalen Währungsfond in Washington D.C. Alice machte es sich zur Herzensangelegenheit, jungen Menschen von ihrem Schicksal zu berichten. Im Film ist Alice bei einem Vortrag in einer Schule in Washington zu sehen, während sie Schülern die Kleider zeigte, welche ihre Mutter ihr für die Reise nach England genäht hatte.

Hugo Marom – Der Pilot

Hugo Marom wurde in Brünn in der Tschechoslowakei in eine Familie mit fünf Kindern geboren. Vor dem Ausbruch des Krieges kontaktierten seine Eltern Nicholas Winton, der die Ausreise von ihm und seinem Bruder organisierte. Als sie in London ankamen, wartetet keiner auf Hugo und seinen Bruder. Ihre Adoptiveltern kamen nicht. Stattdessen nahm sich ihrer ein sorgevoller Taxifahrer an und brachte sie in sein Zuhause. Während der Bombardements in London wurden die beiden Brüder nach Bedorf geschickt, um dort mit weiteren Flüchtlingskindern und Evakuierten zu leben. Nach dem Krieg kehrte Hugo in die Tschechoslowakei zurück, wo er in Brünn studierte und Pilot wurde. 1964 wanderte er nach Israel aus und gründete seine eigene Firma, die sich auf Flugzeug-Design und Beratung überall auf der Welt spezialisierte. Nach über 60 Jahren rührt die schmerzvolle Erinnerung an seine verlorenen Eltern den nach außen stark wirkenden, berühmten Piloten immer wieder aufs Neue zu Tränen – eine zu tiefe Wunde, die wahrscheinlich niemals heilen wird.

Professor Bejamin Abeles – Der humorvolle Erfinder

Professor Benjamin Abeles ist einer der führenden Wissenschaftler in der Forschung der Halbleiter. In dem Moment, wenn man einen Computer oder den Fernseher anschaltet, stößt man auf Abeles Erfindungen. Am Bekanntesten ist er für seine Erfindung von silizium-germanium thermoelektrischen Stromerzeugern. Diese Erfindung führte zu der Entwicklung einer zuverlässigen und langlebigen Energieressource, die erfolgreich auf den Voyager und Gemine Raketensonden angewandt wurde.

Benjamin Abeles ist ein sehr charismatischer Geschichtenerzähler mit einem großen Sinn für Humor. Die Anekdoten aus seiner Kindheit und seiner Jugend bilden ein wertvolles Gegengewicht zu den emotional oft schweren Geschichten der anderen Kinder im Film. Als Benjamin nach England floh, war er bereits 14 Jahre alt und kann sich daher an viele Details erinnern, z.B. wie er auf einer langen Treppe anstehen musste, um sich in dem Kindertransport -Büro in der Rubesova Straße in Prag vorzustellen und zu registrieren. Oder wie er Englisch gelernt hat von einem Buch mit dem wunderbaren Titel Englisch Lernen - ein Vergnügen. Am 20. Juli 1939 stieg Benjamin Wilson mit weiteren 75 Kindern in den Zug nach London am Hauptgleis des Prager Bahnhofs. Abeles erinnert sich genau, wie sein Vater neben dem Zug rannte und ihm zurief: “Lüge und stiel niemals, lern fleißig, putz Deine Zähne zweimal am Tag, wasch Deine Füße und wechsle Deine Socken jeden Tag, halte Deine Sachen in Ordnung!“ Das war das letzte Mal, dass er seinen Vater gesehen hat.

Nach dem Krieg studierte er in Prag an der Karl Universität Physik und arbeitet ab 1949 am Weizmann Institut, wo er seinen Doktor machte. 1956 zog er nach Amerika und forschte bis zu seiner Rente über Energie Konversion am David Sarnoff Research Institut in Princeton. 1980 verlieh ihm das Franklin Institute die angesehene Stuart Ballentine Medaille.