Vita Sir Nicholas Winton

Im Jahre 1907 wurde Winton in England geboren. Nach Schulbesuch und Banklehre arbeitete er bei Banken in England, Hamburg, Berlin und Paris. Nach seiner Rückkehr nach London fing er 1931 als Broker an der Börse an. Sein leidenschaftliches Hobby Fechten brachte ihm beinahe eine Teilnahme an den Olympischen Spielen, wenn der Krieg nicht dazwischen gekommen wäre. Nach dem Krieg gründete er mit seinem Bruder das größte Fechtturnier in England, das bis heute existiert: der Winton Cup.

Kurz vor Weihnachten 1938 besuchte Nicholas Winton statt eines geplanten Ski-Urlaubs in der Schweiz seinen Freund Martin Blake in Prag, der dort Flüchtlingen aus dem besetzten Sudetendeutschland half. Aufgerüttelt von den entsetzlichen Umständen in den Flüchtlingslagern und der drohenden Lebensgefahr durch die Besetzung Hitlers fing Winton nach seiner Rückkehr in London an, die Ausreise von Kindern in Not zu organisieren. Dies war durch ein Britisches Gesetz für Kinder unter 17 Jahren (Refugee Children Movement) nach den Novemberpogromen möglich. Für 669 Kinder, die in acht Kindertransporten im Zug nach London und Stockholm gebracht wurden, fand er Adoptiveltern und Einrichtungen in England und Schweden. Der letzte Kindertransport mit 250 Kindern, ursprünglich am 3. September 1939 geplant, kam durch den Krieg nicht mehr zustande. Auch diese letzte schmerzliche Erinnerung und die schrecklichen Ereignisse des Krieges veranlassten Winton dazu, über seine Taten über 50 Jahre zu schweigen. Die Kinder ahnten nichts von seinem Beitrag, da sein Name auf keinem offiziellen Papier auftauchte, sondern lediglich seine zu diesem Zweck gegründete „anonyme“ Organisation. Erst 1988 entdeckte seine Frau Greta beim Aufräumen auf dem Speicher ein Einklebebuch mit exakten Aufzeichnungen dieser Zeit und brachte die Sache an die Öffentlichkeit.

Die britische BBC erfuhr davon und recherchierte die Adressen der Kinder. Der Fernsehsender lud Nicholas Winton zu einer populären Talkshow ein, bei der zu seiner Überraschung auch zwei Dutzend der geretteten Kinder anwesend waren - inzwischen im Alter von Großeltern. Als Winton’s Story dann in den letzten beiden Jahrzehnten immer bekannter wurde, fanden viele seiner geretteten Kinder zu ihm. Für sie war es zunächst eine Überraschung, denn viele lebten in der Annahme, dass eine große Organisation wie das Rote Kreuz sie gerettet hatte. Plötzlich fanden sie heraus, dass hinter all dem praktisch ein einzelner Mann stand, der die Rettung initiiert und geleitet hat. Heute haben sich insgesamt 261 der 669 Glücklichen gemeldet, mehr als 400 aber sind bereits tot oder wissen möglicherweise noch immer nicht, wem sie das Überleben verdanken. Nicholas Winton wurde für viele eine Art „Adoptivvater“. Sein Auftauchen in deren Leben und im Leben ihrer Kindeskinder war eine unglaubliche Bereicherung, die sie nun in vielfältigem eigenem Engagement weitergeben wollen.

Nicholas Winton wohnt heute mit 102 Jahren in Maidenhead, Großbritannien. 1983 wurde er wegen seiner karitativen Arbeit für Ältere als Member in den Order of the British Empire aufgenommen. In Tschechien erhielt er den Freiheitspreis der Hauptstadt Prag und im Oktober 1998 aus den Händen des Staatspräsidenten Václav Havels den Masaryk-Orden. Im Dezember 2002 schlug Königin Elisabeth II. Winton für seine Verdienste um die Menschlichkeit zum Ritter.